Wenn aus Bio-Erde Kunst wird

04. Oktober 2021

Ein gesunder Boden ist nicht nur für die Landwirtschaft essenziell. «Er ist unsere Lebensgrundlage», so Bio-Landwirtin Claudia Meierhans vom Bio-Hof Naturgut Katzhof. Von hier wurde vitale, lebendige Erde vom Bio-Kartoffelfeld genommen und von Keramikdesignerin Sabine Dambach, gemischt mit Ton, zu wunderschöner Keramik verarbeitet. Mehr über den Prozess und die Kunst des «Erdens».

Im Privatstudio in Oberkirch, nahe Sursee in Luzern, geht es eine Spur langsamer zu und her. Sabine Dambach ist hier zuhause und arbeitet im Untergeschoss an ihrer Keramikkunst. Es wird geknetet, gewalzt, gedreht, verworfen, recycelt und wieder neu aufgebaut: Töpfern auf der Drehscheibe. Dieses Mal mit einem speziellen Ton: Er ist mit der gesunden Erde vom nahe gelegenen Bio-Hof Naturgut Katzhof aufbereitet. 

Der Bezug zur Erde
So unterschiedlich das Leben der Bio-Landwirtin und der Keramikkünstlerin ist, eines verbindet sie: Die Erde. Beide haben «die Hände im Dreck» und lieben dies auf ihre eigene Art. Während im Naturgut Katzhof der Boden regenerativ bearbeitet und die Karotten energisch mit Spaten und Händen aus dem vitalen Boden geholt werden, macht die Töpferkünstlerin mit viel Achtsamkeit wunderschöne Keramikkunst, die genau diese Erde enthält. «Vom Feld bis auf den Teller» erhält auf diese Weise eine erweiterte Bedeutung.

Wie Töpfern und Nachhaltigkeit zusammenspielen
«Ich war begeistert über die Anfrage, Erde von einem regionalen Bio-Hof in den Ton zu verarbeiten und daraus Geschirrsets zu töpfern», so die 43-jährige Keramikerin Sabine Dambach. Etwas anderes als Bio-Erde hätte auch gar nicht zu ihr gepasst. Der Nachhaltigkeitsgedanke durchzieht ihr Leben und zeigt sich auch in ihrer Art zu arbeiten: Die Energie, die der Brennofen braucht, bezieht sie von der eigenen Solaranlage auf dem Dach des Hauses. Verpackungsmaterial kommt von einem befreundeten, regionalen Label aus Luzern. Sie verzichtet auf Sticker und arbeitet lieber mit Stempeln. Ihr Leben reduziert sie auf Wichtiges. Sie will etwas erschaffen, das Wert hat und bleibt. So auch die zeitlose, minimale Keramik mit Stil. Die Töpferin achtet stark darauf, achtsam mit dem Material umzugehen und keinen Ton zu verschwenden. Alles, was bei der Arbeit nicht gelingt oder beim Abdrehen wegfällt, sammelt sie und bereitet es neu auf. Massenware gibt es nicht. Es entstehen kleine, aber feine Kollektionen, welche sporadisch online erwerblich sind. Grossbestellungen oder Sets werden ausschliesslich auf Vorbestellung hergestellt. So zeigt sich ihr sorgsamer Umgang mit Ressourcen, denn eine Überproduktion möchte Sabine Dambach vermeiden.

Im Interview erfahren Sie mehr über den Prozess des Töpferns mit gesundem Bio-Boden. Aus der Erde vom Naturgut Katzhof sind wunderschöne Keramiksets entstanden, die es exklusiv bis zum 31. Oktober 2021 zu gewinnen gibt.

Sabine Dambach, wie war der Prozess, Geschirr aus lebendigem Boden zu machen?
Es ist speziell und ruft etwas Neues in mir hervor. Ton ist letztendlich ein Stück Erde und diesen mit dem fruchtbaren, regionalen Boden zu mischen, begeistert mich! Der Prozess war sehr spannend. Wie reagiert der drehfertige Ton mit organischem Material beigemischt? Wie hoch darf ich brennen? Platzen die Stücke? Es standen tausend Fragen im Raum, welche ich durch viele Tests Schritt für Schritt beantworteten konnte. Die Erde vom Naturgut Katzhof habe ich erst gewalzt, dann gesiebt und schliesslich in meinen fertigen Ton geknetet. Den Tonklumpen musste ich sorgfältig kneten, klopfen und schneiden, bevor ich eine homogene Masse erhielt, welche auf der Drehscheibe funktionierte. Es ist toll, das Ergebnis nun in den Händen zu halten!

Welchen Bezug zur Erde haben Sie?
Ton ist mein Element und begleitet mich schon seit ich klein bin. Es fasziniert mich, was alles aus so einem Klumpen Erde entstehen kann. Die Möglichkeiten sind grenzenlos. Ich bin auf einem Bauernhof auf dem Land aufgewachsen und spielte stets gern mit den Händen im Sand, der Erde und habe mit Lehm geknetet. Ich experimentiere auch gerne mit verschiedenen Arbeitsweisen. Früher habe ich Skulpturen kreiert und Gefässe von Hand, ohne elektrische Drehscheibe, erschaffen. Seit 2018 bin ich dem Töpfern auf der Scheibe verfallen. Ich versuche Dinge zu kreieren, die den Alltag verschönern und die mit uns das Leben verbringen. Ich bin eine Macherin: Als Autodidaktin lerne ich viel über «Versuch und Irrtum» und erkunde immer andere Aspekte und Möglichkeiten im Arbeiten mit Ton. Es ist eine wahre Schatzkiste und mein Forscherdrang ist nicht zu stoppen. Ich bin so dankbar, dass ich dies alles aus der Erde mit meinen Händen erschaffen darf! Ich nehme von schönen Orten auf der Welt Erde, Steine oder Lehm mit, um sie nach Möglichkeit in meine Keramikstücke einzuarbeiten. So zum Beispiel auch bei einer Vase mit Gestein aus Graubünden.

Wie fühlte es sich an, mit diesem speziell aufbereiteten Ton mit der Bio-Erde vom Katzhof zu arbeiten?
Es ist eine sehr sensitive, achtsame Arbeit. Wenn der Tonklumpen in meinen Händen dreht, spüre ich, was meine Hände zu tun haben, damit das gewünschte Gefäss entsteht. Es lässt sich nicht programmieren oder voreinstellen. Es sind die Hände am drehenden Ton, die bestimmen, was aus dem Klumpen Ton entstehen wird. Ich bin mit Körper, Seele und Geist vollkommen im Moment. Ich liebe die Arbeit mit den Händen im Ton und vergesse dabei Raum und Zeit. Der aufbereitete Ton mit der Bio-Erde vom Katzhof fühlte sich etwas anders an, denn es gab ja Stückchen der Erde darunter. Also war es etwas körniger als sonst. Wie ein grob schamottierter Tonkörper, wenn man so will.

War bei der Erstellung des Geschirrsets mit dem lebendigen Boden sonst noch etwas anders?
Die Vorarbeiten und Tonaufbereitungsarbeiten waren aufwändiger, da der Ton mit der Erde vereint werden musste. Zudem habe ich das Steinzeug Geschirr etwas niedriger gebrannt als sonst. Und es hat zum Glück funktioniert!

Zur Person
Sabine Dambach wurde 1978 in Oberkirch in Luzern geboren. Sie ist ausgebildete Primarlehrerin und kam während ihrer Ausbildung intensiv mit dem Element Ton in Kontakt. 2017 gründete sie ihr Keramiklabel dabisabi und setzt nun ganz auf ihre Töpferkunst. Nebst handgemachten Objekten, Vasen und Lampen töpfert sie auf der Drehscheibe auch Gebrauchskeramik und gibt ihre Kenntnisse rund um das Arbeiten mit Ton in Drehscheibenkursen und Workshops weiter.

REdaktion und Interview: Maya Frommelt, Bilder: Luc Kämpfen und Maya Frommelt