Vielfalt, die sich lohnt

Biodiversität – die Vielfalt des Lebens – bringt Kraft und Schönheit in die Natur und auf den Teller. Auf Knospe-Betrieben mehr als anderswo.

Das Wichtigste im Leben ist die Gesundheit. Im Biolandbau ist sie das A und O. Die Gesundheit von Boden, Luft, Wasser, Pflanzen und Tieren ist zentral. Sie alle beeinflussen sich gegenseitig, hängen zusammen – je gesünder, desto stabiler, desto vielfältiger. An der Vielfalt lässt sich die Gesundheit messen und umgekehrt. Auf Knospe-Betrieben gehören beide zum Programm. Im Vergleich zu nicht-biologisch bewirtschafteten Betrieben bieten sie je nach Höhenlage bis zu 70 Prozent mehr naturnahe Flächen, bis zu 30 Prozent mehr Arten und bis zu 50 Prozent mehr Individuen.

Für die Qualität der Biodiversität sind einerseits die Anbauintensität, andererseits der Anteil an naturnahen Flächen auf dem ganzen Hof entscheidend. Knospe-Landwirt*innen sorgen durch diverse Massnahmen für natürliche Lebensräume wie Hecken, Blumenwiesen, Ast- und Steinhaufen, aber auch Hochstammbäumen. Die Bio Suisse Richtlinien verlangen, mindestens zwölf solcher Biodiversitäts-Fördermassnahmen umzusetzen. Die meisten Betriebe tun noch viel mehr. Sie wissen, dass davon alle profitieren, weil alles zusammenhängt.

«Wir fördern Biodiversität auf der gesamten Betriebsfläche.» Urs Brändli, Präsident von Bio Suisse

Bitte alles schön im Gleichgewicht

Die Methoden der Knospe-Bäuerinnen und -Bauern arbeiten mit der Natur, nicht gegen sie. Jahrzehntelange intensive Landwirtschaft mit Einsatz von Herbiziden, Pestiziden, synthetischen Düngemitteln, schweren Landmaschinen, aber auch Flurbereinigungen mit Zerstückelung von Lebensräumen sind einige wesentliche Gründe für den drastischen Rückgang der biologischen Vielfalt.

Knospe-Landwirt*innen achten auf ein gesundes Gleichgewicht. Dazu behelfen sie sich mit natürlichen Methoden. Auf ihren Äckern haben chemisch-synthetische Düngemittel nichts verloren. Organischer Dünger ist gut für Pflanzen und für Bodenlebewesen und damit auch für die Fruchtbarkeit der Böden. Knospe-Betriebe setzen auf Nützlinge, auf robuste, zu Klima und Bodenverhältnissen passende Kulturen. Sie sorgen bei der Bepflanzung ihrer Felder durch sogenannte «Fruchtfolgen» für Abwechslung. Diese tragen zum Erhalt einer grösseren genetischen Vielfalt der Kultursorten bei. Deshalb kommen viele Krankheits- und Schädlingsprobleme gar nicht erst auf.

Viele Knospe-Betriebe düngen ihre Äcker nur mit Mist, Kompost und anderem organischem Dünger vom eigenen Betrieb. So schliessen sie den Nährstoffkreislauf und fördern die Fruchtbarkeit des Bodens. Gemüse oder Getreide fühlen sich darin so wohl wie Regenwürmer und viele kleine Lebewesen. Sie lockern den Boden und sorgen dafür, dass das Wasser besser an die Wurzeln der Kulturen sickern kann.

Knospe-Betriebe für mehr Biodiversität

Mit dem Förderprojekt «Knospe-Biodiversität für mehr Lebensqualität» hat Bio Suisse, an die 1300 Knospe-Betriebe begeistert. Unterstützt von Coop, Birdlife und FiBL fanden von 2013 bis 2015 schweizweit Beratungen, Flurbegehungen, Austauschmöglichkeiten unter Kolleginnen und Kollegen statt. Das Resultat: Die Qualität der Biodiversitätsförderflächen wie artenreiche Blumenwiesen, Hecken und Obstgärten nahm deutlich zu. Auf den beteiligten Betrieben wurden rund 20 Prozent mehr Arten und rund 40 Prozent mehr Individuen gezählt als vor der Aktion.

Den Boden nicht wie Dreck behandeln

Gesunder Boden ist die Grundlage für gutes Pflanzenwachstum. Knospe-Landwirt*innen schätzen ihn hoch. Sie wälzen ihr wichtigstes Gut weder mit tonnenschweren Traktoren noch mit dicken Mähmaschinen platt, auf Äckern und Beeten ist schonende Arbeit angesagt. Mit Sorgfalt bearbeiten sie die Oberfläche, pflügen, lockern, graben um und striegeln. Sie gönnen dem Boden nach der Ernte zur Erholung eine Ruhepause – oft mit Kleegras. Diese Kultur stellt auf natürliche Weise Stickstoff zur Verfügung, Das ist die wichtigste Nahrung für Pflanzen. Kleegras ist zudem einer vielfältigen Bodenfauna wie Insekten, Regenwürmer und winzige unterirdische Lebewesen förderlich.

Für gesundes Pflanzenwachstum ist Humus ganz besonders wichtig, Er senkt den CO2-Ausstoss und schützt den Boden vor Nährstoffauswaschung. Und je mehr CO2 der Boden in Form von Kohlenstoff speichern kann, desto weniger wird die Atmosphäre belastet.

Unkraut, dieses Unwort!

Für alles ist ein Kraut gewachsen, sagt der Volksmund. Dort, wo das Unkraut den Nutzpflanzen nicht schadet, darf es auf Knospe-Betrieben stehen bleiben. Als sogenanntes «Beikraut» schützt es den Boden vor dem Austrocknen und vor Erosion. Es bietet Nahrung für Insekten und trägt ebenso zur Vielfalt bei.
Erst wenn das Beikraut den aufkeimenden Kulturen Licht und Nährstoffe streitig macht, muss es das Feld räumen. Auch das hat aber sein Gutes: Die Ausrupfaktion lockert den Boden, fördert die Zufuhr von Wasser und Nährstoffen und begünstigt so das Wachstum der Pflanzen,

Auf Bio-Flächen werden bis zu siebenmal mehr Regenwürmer gezählt. Bio bietet also gute Gründe zum Schutz unserer Gewässer und des Klimas sowie zur Sicherung und Förderung der Bodenfruchtbarkeit.

Studien im In- und Ausland belegen, dass die Biodiversität auf Bio-Betrieben deutlich höher ist als auf konventionell bewirtschafteten Flächen. Bis zu 30 Prozent mehr Arten und bis 50 Prozent mehr Individuen werden auf Bio-Flächen gezählt. Auch hier werden die Vorteile des Verzichts auf chemisch-synthetische Hilfsmittel deutlich. Nicht nur auf ausgeschiedenen Förderflächen können Beikraut und Kleinlebewesen bestehen, Biodiversität wird auf der gesamten Betriebsfläche gefördert. Bio bietet gute Gründe zur Erhaltung und Förderung der Vielfalt in der Natur.