NaturGut Katzhof – Ein Ort der Vielfalt

13. Oktober 2021

Ein Bio-Hof wird zum Ort der echten Begegnung: Hier kann man nicht nur ein Stück intakter Natur erleben, sondern auch erfahren, was regenerative Landwirtschaft, gesunde Lebensmittel und geschlossene Kreisläufe bedeuten. Wer bei der Ernte selbst Hand anlegen will, trifft auch auf Kunst, Inspiration und interessante Menschen in der solidarischen Landwirtschaft.

Bio-Hof NaturGut Katzhof bei Sonnenaufgang

Auf einer sanften Kuppe im Hügelgebiet des Luzerner Wiggertals auf rund 650m über Meer gelegen, bietet sich auf dem Bio-Hof NaturGut Katzhof ein fantastischer Ausblick auf die umliegenden Berge. Die Mutterkuhherde weidet, während die Karottenernte im vollen Gange ist – freiwillige Helfer*innen willkommen! Das Bio-Paar Claudia Meierhans und Markus Schwegler hat den Hof 2015 von Claudias Eltern übernommen und sofort auf Bio umgestellt. «Wir suchten eine alternative Form des Wirtschaftens und wollten auch unabhängig vom Grosshandel sein. Das Konzept einer solidarischen Landwirtschaft hat uns angesprochen und mit den Gemüse-Abos haben wir eine sichere Abnahme», so Markus Schwegler über die Solawi. «Klein haben wir angefangen mit Freunden und Bekannten als Kundschaft. Die Solawi hat sich aber schnell rumgesprochen und jetzt können wir mit rund 55 Gemüsetaschen-Abos gar nicht mehr zu stark wachsen, denn die Ernte fliesst genau in die Gemüsetaschen der Mitglieder.» Etwas Potential gibt es aber noch, denn ein zusätzlicher Acker zur Bewirtschaftung ist vorhanden.  

Solidarische Landwirtschaft – ein alternatives Konzept auf dem Katzhof

Die solidarische Landwirtschaft (Solawi) basiert auf einer direkten Zusammenarbeit von Landwirt*innen und Konsument*innen. «Wir haben schon verschiedene Formen ausprobiet, von bindenden Tagen bei der Erntehilfe bis zur Mithilfe auf freiwilliger Basis. Zu unserer Lebenseinstellung passt das Konzept der Freiwilligkeit besser», so Markus Schwelger. Er versteht es, wenn jemand einmal keine Zeit zur Mithilfe hat. «Auch ich bin oft eingespannt. So engagiere ich mich neben der Arbeit als Bio-Landwirt noch für politische Anliegen der Kleinbäuerinnen und -bauern».

Manche Mitglieder helfen mehr, andere weniger. Vertrauen, Zusammenarbeit und Freiwilligkeit sind wichtige Grundsätze auf dem Bio-Hof, die Mitsprache und der Austausch mit den Mitgliedern wird geschätzt und gefördert. Insbesondere «nachhaltige Städter» aus dem nahen Luzern haben den Wunsch, näher an die Lebensmittelproduktion zu rücken und sind Mitglied geworden. Sie schätzen es, den Bezug zum Essen wiederherzustellen. So weiss man, woher man seine Lebensmittel bezieht und unter welchen Bedingungen sie produziert werden. Im gegründeten Verein «Solavie» gibt es einen regelmässigen Austausch, man holt Rückmeldungen ein und erzählt von der aktuellen Situation auf den Feldern. Ein Referat oder Fokusthema mit weiteren Inputs rund um die nachhaltige Landwirtschaft rundet das Treffen ab.

Gemeinsam säen, jäten und ernten

Man kann sich bei allen Arbeitsschritten im Gemeinschaftsgarten einbringen, denn Arbeit ist immer vorhanden, insbesondere im Frühling und Herbst. Ein Highlight ist jeweils die gemeinsame Ernte. Auch viele Kinder sind dabei, die die Tage draussen auf dem Feld geniessen und mithelfen, wo sie können. Zur Hochsaison, etwa zur Kartoffel- oder Karottenernte, sendet die Bio-Landwirtin via e-Mail eine Anfrage an alle Mitglieder zur Mithilfe, «aber komme, wer wolle!» Belohnt wird man mit schönen Begegnungen und zahlreichen Eindrücken vom Feld. «Ja, die Arbeit kann auch körperlich anstrengend sein», denn so ist schliesslich die Arbeit in der Landwirtschaft.

Nachhaltigkeit und geschlossene Kreisläufe

Das Bio-Paar lebt nachhaltig, was sich nicht nur im sorgsamen Umgang mit Boden, Tieren und einer ressourcenschonenden Produktion mit grosszügigen Biodiversitätsflächen zeigt. «Für uns gehört auch die vegetarische Ernährungsform dazu», so Claudia Meierhans. «Wieso wir dennoch Kühe halten für die Fleischproduktion? Zum einen ermöglichen wir unserer Mutterkuhherde ein würdevolles Leben und bieten den Konsument*innen Fleisch aus regionaler und nachhaltiger Produktion an, zum anderen ist für uns der Kreislaufgedanke sehr wichtig.» Gerade die Gemüseproduktion erfordert einen nährstoffreichen Boden. Der Mist der Tiere wird zum Düngen benötigt. So bleibt alles auf dem Hof, es müssen keine externen Düngermittel dazugekauft werden. Die steileren Hänge rund um den Katzhof eignen sich wiederum optimal, um die Kühe grasen zu lassen. Der Kreislauf schliesst sich.

Begegnung und Kunst

Auf dem Bio-Hof findet man auch einzelne Skulpturen aus Speckstein, Marmor, Ton oder Holz, Gemälde, ein Blumen- und Kräuterbeet, inspiriert von Fibonacci. Hof-Künstler ist «Walti», wie der pensionierte Walter Mangold genannt wird. Sein Wirken hinterlässt Spuren, ist er auch einer der aktivsten Mitglieder der Solawi. Sein Wohnmobil steht sogar auf dem Bio-Hof hinter der Jurte, hier verbringt er drei Tage in der Woche, um so viel wie möglich mitzuhelfen. Zudem ist er als Imker tätig und betreut die acht Bienenvölker auf dem Bio-Hof. Kreislaufdenken, Kooperation, Kreativität und Vertrauen sind Merkmale in allen Bereichen des Hofes. «Die Landwirtschaf ist der Nährboden, auf dem wir dies alles verwirklichen», so das inspirierende Bio-Paar der Solawi auf NaturGut Katzhof.

Bio-Hof NaturGut Katzhof
Claudia Meierhans und Markus Schwegler bewirtschaften in Richental rund 14ha landwirtschaftliche Nutzfläche und 3ha Wald. Gemüsebau und Ackerkulturen geben das ganze Jahr über eine vielfältige Mischung für die Bio-Gemüsetaschen und die weitere Direktvermarktung. Eine Lehrtochter und freiwillige Helfer der solidarischen Landwirtschaft prägen das NaturGut Katzhof. Permakultur ist eine Anbaumethode, die Markus Schwegler in Zukunft reizt. Getüftelt hat er bereits an einem fahrbaren Geodome Gemüsetunnel – ein innovatives, verschiebbares Gewächshaus auf einer Konstruktion auf Rädern, wenn man so will.

Redaktion: Maya Frommelt
Fotos: Luc Kämpfen und Maya Frommelt