Auf Bio-Betrieben werden Tiere besonders artgerecht gehalten und gefüttert. Heisst: Tierhaltung und Fütterung erfolgt dem natürlichen Bedürfnis ihrer Art entsprechend.
Die Tiere haben in der Regel eine vielfältigere Umgebung mit regelmässigem Auslauf ins Freie und in den Ställen mehr Platz als in konventioneller Tierhaltung. Der Stall ist eingestreut. Zu allen Jahreszeiten haben die Tiere Auslauf oder sind auf der Weide. Durch die vorgeschriebene Gestaltung der Weide, des Auslaufs und des Stalls können sich die Tiere artgerecht bewegen, Sozialkontakte haben, fressen und sich beschäftigen. An Bio-Tieren werden ausserdem weitaus weniger schmerzhafte Eingriffe vorgenommen, wie z. B. kein Kürzen des Schnabels beim Geflügel – und Masttieren wird mehr Zeit zum Wachsen gelassen.
Die Fütterung mit bevorzugt betriebseigenem Bio-Futter garantiert eine gesunde und natürliche Tierernährung. So erhalten zum Beispiel die Wiederkäuer zu 95 Prozent Raufutter – also Gras, Heu und Kräuter, wie es ihrer artgemässen Ernährung entspricht.
Rinder, Ziegen und Schafe, Hühner und Schweine erhalten 100 Prozent Bio-Futter.
Bei Futtermangel infolge extremer Witterungsverhältnisse wie etwa Trockenheit und wenn keine biologischen Futtermittel erhältlich sind, können die Zertifizierungsstellen Ausnahmen für den Zukauf von biologischem Grundfutter aus dem Ausland vergeben.
Das Ziel von Bio Suisse ist eine nachhaltige Fütterung, das heisst artgerecht, möglichst mit betriebseigenem Futter, möglichst regional, ohne künstliche Zusatzstoffe und ohne gentechnisch veränderte Organismen.
Die Bio Suisse-Richtlinien verlangen bei Wiederkäuern, also Kühen, Schafen und Ziegen zu 100 Prozent Futter von Betrieben mit der Bio Suisse Knospe (ausgenommen Mühlennebenprodukte).
Zudem müssen Wiederkäuer in einem Knospe-Betrieb mindestens zu 90 Prozent mit Raufutter (Gras, Heu, Silage etc.) gefüttert werden. Hier sind die Knospe-Richtlinien deutlich strenger als etwa die EU- oder die CH-Bio-Verordnung, welche 40 Prozent Kraftfutter erlauben. Seit 2022 darf bei Wiederkäuern maximal 5 Prozent Kraftfutter (ausgenommen Mühlennebenprodukte) eingesetzt werden.
Bei den Hühnern und Schweinen kann zur Zeit nicht auf Futtermittelimporte verzichtet werden. Diese Tiere sind Allesfresser und benötigen zwingend eine hohe Menge an Proteinen, um ausreichend ernährt zu sein und um artgerecht leben zu können. Die Schweizer Futtermittelproduktion reicht nicht aus, um unsere Tiere zu ernähren. Im November 2015 hat die Bio-Futtermittelbranche unter Leitung von Bio Suisse entschieden, die Importe aus Übersee schrittweise abzubauen. Ab 2019 stammt sämtliches importiertes Futter für Knospe-Tiere aus Europa. Dieses muss ebenfalls gemäss Bio Suisse Richtlinien angebaut und zertifiziert sein.
Wenn ein Tier fieberhaft erkrankt und der Tierarzt eine Behandlung mit Antibiotika vorschreibt, können auch Bio-Bauern diese durchführen. Viele Bio-Bauern behandeln ihre Tiere aber komplementärmedizinisch, zum Beispiel mit homöopathischen Mitteln. So können manche die Behandlung mit Antibiotika vermeiden. Auch die extensive Haltungsform und die robusten Tiere führen dazu, dass im Biolandbau weniger Antibiotika verabreicht werden müssen. Zudem sind auf Bio-Betrieben der vorbeugende Einsatz von Antibiotika und die Verabreichung von Hormonen generell verboten.
Nein, der Transfer von befruchteten Embryonen wird als unzulässiger Einschnitt in die natürliche Zucht betrachtet und ist deshalb verboten. Die künstliche Besamung von Tieren ist möglich. Allerdings lassen im Biolandbau viele Tierhalter auch männliche Tiere, zum Beispiel einen Stier, mitlaufen – als Beitrag für ein gesundes Herdenklima.
Ja, es gibt Honig von nach Bio-Richtlinien gehaltenen Bienen. Weil die Flugradien der Bienen nicht kontrollierbar sind, beinhaltet die Bio-Zertifizierung vor allem den natürlichen und nachhaltigen Umgang mit den Bienen und nicht das Sammelgebiet. Die Bio-Bienenzucht soll überall möglich sein, z. B. auch auf Bio-Betrieben mit konventionellen Nachbarn.
Bio-Imker befolgen strenge Vorschriften:
- Sie verwenden Bienenkästen aus natürlichen Materialien
- Sie setzen Bienen ein, die den Standorten angepasst und deshalb robuster sind
- Sie arbeiten mit natürlichen Zucht- und Vermehrungsverfahren
- Sie verzichten auf chemisch-synthetische Tierarzneimittel für präventive Behandlungen. Zur Krankheitsbekämpfung sind eingeschränkt natürliche Mittel zugelassen. So wird die Varroamilbe nur mit organischen Säuren bekämpft.
- Sie füttern ihre Bienen nur mit Bio-Zucker oder Bio-Futtersirup und Bio-Honig. Umfangreiche Honig- und Pollenvorräte werden für die Überwinterung im Bienenvolk belassen.
- Standortwahl: Im Umkreis von drei Kilometern um den Bienenstand muss es mindestens 50 Prozent Bio-Flächen, ÖLN-Flächen (Flächen mit ökologischem Leistungsnachweis) oder Flächen mit Wildpflanzen (Wald, Brachland, Naturschutzgebiete) haben. Damit soll vor allem der Eintrag von chemisch-synthetischen Hilfsstoffen und Giften aller Art in den Bienenstock vermieden werden.
Nein, das gesamte Fleisch mit der Bio Suisse Knospe stammt aus der Schweiz – auch wenn es manchmal an Edelstücken mangelt. Es müssen aber auch nicht immer sogenannte Edelstücke sein. Zunehmend werden auch die «Special Cuts» verarbeitet. Hier finden Sie Hintergründe und Rezepte für «Special Cuts».
Als Konsument:in haben Sie die Möglichkeit, Fleisch mit der Bio Suisse Knospe zu kaufen, das von Rindern aus Mutterkuhhaltung stammt. Die Kälber bleiben bis zehn Monate und bis unmittelbar vor der Schlachtung mit Ihren Müttern zusammen. Sie trinken Milch direkt von der Mutter, fressen aber auch Gras und Heu. Diese Kühe werden aber nicht gemolken und liefern deshalb nur Fleisch als Nahrungsmittel.
Fleisch aus Mutterkuhhaltung macht heute einen Grossteil des Angebots des Rindfleischs mit der Bio Suisse Knospe aus. Bei den meisten Mutterkuhhaltern ist dieses Fleisch direkt ab Bio-Hof oder auf Bestellung im Mischpaket erhältlich. Adressen finden Sie bei Biomondo, dem Marktplatz der Schweizer Bio-Landwirtschaft. Auch Bio-Metzgereien führen Fleisch aus Mutterkuhhaltung. Bei Coop ist dieses Fleisch als Natura Beef Bio erhältlich.
Das Angebot an Bio-Fleisch in den Theken ist in den letzten Jahren gewachsen. Bio-Fleisch ist dennoch häufig abgepackt, weil die Kontrolle der offenen Fleischtheken aufwendig ist.
Gejagtes Wild darf nicht als Bio- oder Bio Suisse Knospe-Wild verkauft werden, denn die Bio-Verordnung gilt ausdrücklich nicht für die Jagd und deren Erzeugnisse. Stammen die Wildtiere aber aus einem Schweizer Bio-Betrieb oder einem mit der Bio Suisse Knospe zertifizierten Landwirtschaftsbetrieb, darf deren Fleisch entsprechend gekennzeichnet werden. Rund vierzig Bio-Betriebe halten Wild, vor allem Rot- oder Damhirsche. Diese Zuchttiere unterscheiden sich kaum von wildlebenden Tieren, jedoch kann durch die Gatterhaltung garantiert werden, dass das Futter der Tiere aus biologischem Anbau stammt, dass es nicht gentechnisch verändert und nicht mit chemisch-synthetischen Pestiziden belastet ist.
Die Bio-Verordnung und die Bio Suisse Richtlinien beinhalten keine spezifischen Regelungen zur Schlachtung. Daher ist es umso wichtiger, dass die gesetzlichen Anforderungen den Erfordernissen von Tierschutz und Veterinärmedizin entsprechen. Fleisch mit der Bio Suisse Knospe, das von den Grossverteilern angeboten wird, stammt aus grossen Schlachtbetrieben.
Bio Suisse und diverse Branchenpartner lassen Schlachtbetriebe stichprobenweise durch den Schweizer Tierschutz STS auditieren.
Bio Suisse Knospe-Landwirte, die ihre Tiere selbst vermarkten, lassen sie in der Regel in einer nahegelegenen Kleinmetzgerei schlachten. Die Hof- oder Weideschlachtung, wie sie früher oft praktiziert wurde, ist seit 2020 dank dem Engagement einiger Bio-Landwirte wieder offiziell erlaubt.
Bislang wurden auch bei der Knospe-Tierhaltung die männlichen Küken der Legehennen nach dem Schlüpfen meist getötet. Mit dem Entscheid von Bio Suisse, dass künftig alle Küken aufgezogen werden müssen, wird sich dies jedoch ändern. Ab 2026 sollen keine Küken mehr getötet werden. Stattdessen sollen alle Eier ausgebrütet und die Brüder der Legehennen gemästet werden. Dabei soll insbesondere auf Zweinutzungsrassen gesetzt werden.
Bereits heute gibt es verschiedene Knospe-Betriebe, die die männlichen Legeküken aufziehen. Eier und Fleisch aus solchen Programmen sind unter Labels wie «Henne & Hahn», «Hahn im Glück» oder «Zweinutzungshuhn» in Biofachgeschäften und auch im Detailhandel erhältlich. In der Übergangsphase bis 2026 werden solche Angebote laufend ausgebaut.
Bei dieser Umstellung weg von der bisherigen Praxis des Tötens männlicher Küken handelt es sich um eine Revolution des gesamten Bio Eier- und Pouletmarktes, der tiefgreifende Veränderungen nach sich zieht. Die aufgrund jahrelanger züchterischer Intensivierung und Effizienzsteigerung getrennten Produktionszweige sollen wieder aneinandergekoppelt werden. Der Kreis schliess sich, ganz im Sinne des Bio-Gedankens.
Hier finden Sie die Stellungnahme von Bio Suisse