Gletscher-Initiative und Klimaschutz-Gesetz

Der Klimawandel erfordert schnelles, entschlossenes Handeln. Dafür braucht es auch einen soliden rechtlichen Rahmen. Die Gletscher-Initiative wollte die Ziele des Klimavertrags von Paris auf Verfassungsstufe festschreiben. Das Klimaschutz-Gesetz wirkt schneller. Am 18. Juni 2023 wurde das Klimaschutz-Gesetz per Abstimmung angenommen.

Der Klimawandel ist Tatsache. Der CO2-Gehalt in der Atmosphäre ist der höchste seit 800'000 Jahren und steigt unvermindert an. Die Schweiz ist vom Klimawandel besonders stark betroffen. Im weltweiten Schnitt ist die Temperatur um 1 Grad angestiegen, die Schweiz hat bereits 2 Grad erreicht. Die Auswirkungen sind schon spürbar: Trockenheit und Überschwemmungen führen zu weniger Ernährungssicherheit. Der Klimaschutz duldet keinen Aufschub. Und wir alle müssen uns an den Klimawandel anpassen.

2020 belief sich der Fussabdruck der Schweizer Haushalte für Lebensmittel auf 16.8 Mio. Tonnen (t) CO2-Äquivalente. Das macht rund 24% der Gesamtemissionen der Haushalte aus. Pro Person entspricht dies einem Wert von jährlich rund 1.9 t CO2-Äquivalenten. Von den 16.8 Mio. t CO2-Äquivalenten fallen rund 5.8 Mio. in der Schweiz selbst an, während die restlichen zwei Drittel im Zusammenhang mit der Bereitstellung von Produkten im Ausland emittiert wird. Neben importierten Lebensmitteln sind dies auch Hilfsmittel wie Kunstdünger, Futtermittel oder Torf (Bundesrat, 2021).

Der Biolandbau verzichtet auf die energieintensiven Kunstdünger und wendet pro Hektar nur halb so viel fossile Energie auf wie konventionelle Betriebe. Die Bio-Milch- und Rindfleischproduktion erfolgt auf der Basis von eigenem Futter. Sie verzichtet dabei auf klimaschädigende und mit Gentechnik hergestellte Importe von Futtermitteln. 

Die Humus- und Kohlenstoffanreicherung ist in Bio-Ackerböden grösser, ebenso die Menge der Wurzeln. Der Boden ist besser strukturiert und kann mehr Wasser aufnehmen und speichern. Die Treibhausgasemissionen im ökologischen Pflanzenbau sind wegen der stärker geschlossenen Kreisläufe nur halb so hoch (Hülsbergen et al., 2023).

Bio liefert zwar weniger Ertrag pro Fläche, wenn z.B. Bio- mit konventionellem Weizen verglichen wird. Aber: Industriell hergestelltes Schweinefleisch braucht etwa fünf Mal mehr Fläche als Bio-Tofu mit dem gleichen Nährwert. Das zeigen Zahlen von Untersuchungen aus Österreich..Es kommt nicht nur darauf an, wie etwas produziert wird, sondern auch was!

Gemäss einer grossen französischen Vergleichsstudie hinterlassen Bio-Konsument:innen einen deutlich kleineren ökologischen Fussabdruck, weil sie mehr pflanzliche Produkte konsumieren als der Durchschnitt. Ausserdem sind Bio-Konsument:innen deutlich gesünder (Baudry et al., 2019).

Die Initiative verlangt mit einem neuen Verfassungsartikel die Umsetzung der Ziele des Klimaübereinkommens von Paris: Netto Null Treibhausgase bis 2050, ab dann Verbot von fossilen Brenn- und Treibstoffen (mit bestimmten Ausnahmen). Die Klimapolitik soll auf eine Stärkung der Volkswirtschaft und auf Sozialverträglichkeit ausgerichtet werden und die Instrumente der Innovations- und Technologieförderung nutzen. 

Das neue «Bundesgesetz über die Ziele im Klimaschutz, die Innovation und die Stärkung der Energiesicherheit» verlangt in Übereinstimmung mit dem Klimaabkommen von Paris: Verminderung der Treibhausgasemissionen, Anwendung von Negativemissionstechnologien, Anpassung an und Schutz vor den Auswirkungen des Klimawandels, Ausrichtung der Finanzmittelflüsse auf eine emissionsarme und gegenüber dem Klimawandel widerstandsfähige Entwicklung. Gesetzliche Zwischenziele auf der Basis von 1990:

  • Durchschnitt 2031–2040: minus 64 %
  • bis 2040: minus 75 %
  • Durchschnitt der Jahre 2041–2050: minus 89 %
  • bis 2050: netto Null

Die Klimafrage ist für Bio Suisse essenziell. Die Biolandwirtschaft, aber auch die Ernährungssicherheit sind stark vom Klimawandel betroffen. Sorgfältige Bio-Produktion und verantwortungsvoller Bio-Konsum leisten einen wichtigen Beitrag zur Lösung. Die Bio-Landwirtschaft strebt Netto Null CO2 bis 2040 an.

Der Vorstand von Bio Suisse will für seine Mitglieder und alle Bio-Konsument:innen einen zuverlässigen politischen Rahmen für die notwendige Transformation der Landwirtschaft und Ernährung. Deshalb hat er die Initiative und den Gegenvorschlag unterstützt und vorab eine Ja-Parole dazu gefasst.

Grafik Darum ist die Knospe gut für das Klima

  • Baudry, J., Pointereau, P., Seconda, L., Vidal, R., Taupier-Letage, B., Langevin, B. et al. (2019). Improvement of diet sustainability with increased level of organic food in the diet: findings from the BioNutriNet cohort. The American Journal of Clinical Nutrition, 109(4), 1173–1188. https://doi.org/10.1093/ajcn/nqy361
  • Bundesrat. (2021): Langfristige Klimastrategie Schweiz.
  • Hülsbergen, K.-J., Schmid, H., Chmelikova, L., Rahmann, G., Paulsen, H. M. & Köpke, U. (2023): Umwelt- und Klimawirkungen des ökologischen Landbaus (Weihenstephaner Schriften Ökologischer Landbau und Pflanzenbausysteme) (1. Auflage.). Berlin: Verlag Dr. Köster.