Omega-3-Fettsäuren: Was Sie zu den ungesättigten Fettsäuren wissen müssen

03.03.2026

Sie stecken in Fisch, Algen oder in Leinöl und sind heiss begehrt: Omega-3-Fettsäuren. In welchen Lebensmitteln sind Fettsäuren enthalten und welche Wirkung haben sie auf den menschlichen Körper?

Fettsäuren sind die Bausteine von Fetten. Sie sind aus einer Säuregruppe und einer Kette von Kohlenstoffatomen aufgebaut. Die Kohlenstoffatome halten Wasserstoff-Teilchen fest. Fettsäuren unterscheiden sich in ihrer chemischen Struktur, sprich durch den Sättigungsgrad und die Anzahl an Doppelbindungen zwischen Kohlenstoffatomen. Man unterscheidet zwischen gesättigten und ungesättigten Fettsäuren.

Rapsöl, Sonnenblumenöl und Olivenöl auf einem Tisch

Was sind gesättigte und ungesättigte Fettsäuren?

Gesättigte Fettsäuren

Die Kette ist vollgepackt mit Wasserstoff, alle Bindungsstellen sind besetzt. Gesättigte Fettsäuren (engl. saturated fatty acids) weisen keine Doppelbindungen zwischen den Kohlenstoffatomen (C) auf.

Ungesättigte Fettsäuren: Einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren

Im Gegensatz zu gesättigten Fettsäuren verfügen ungesättigte Fettsäuren (engl. unsaturated fatty acids) über eine Kette von Kohlenstoffatomen. Nicht alle Bindungsstellen sind durch Wasserstoff-Atome besetzt. Um das auszugleichen, bilden die Kohlenstoff-Teilchen untereinander eine Doppelbindung.

Diese Doppelbindungen wirken wie Gelenke oder «Knicke» in der Kette. Ketten mit mehreren Knicks nennt man mehrfach ungesättigte Fettsäuren.

Vor allem mehrfach ungesättigte Fettsäuren sorgen dafür, dass Zellwände geschmeidig bleiben und Signale im Gehirn so reibungslos fliessen wie ein gut geölter Motor.

Es ist die chemische Struktur, die darüber entscheidet, ob ein Fett bloss Energie liefert oder als High-Tech-Baustoff für unsere Zellen dient.

Omega-3, 6 oder 9: Wo liegt der Unterschied?

Vielleicht haben Sie sich schon gefragt, was die Zahlen bedeuten. Die Antwort liegt im Bauplan der Moleküle. 3, 6 und 9 geben an, wo der erste «Knick» – also die chemische Doppelbindung – in der Kohlenstoffkette sitzt.

Dabei zählen Chemiker:innen vom sogenannten Omega-Ende der Kette aus (dem hinteren Ende):

  • Omega-3-Fettsäuren: Hier befindet sich die erste Doppelbindung bereits an der dritten Stelle. Diese Fettsäuren sind meist mehrfach ungesättigt und gelten als die wertvollsten Entzündungshemmer für unseren Körper.
  • Omega-6-Fettsäuren: Bei diesen Molekülen taucht der erste Knick an der sechsten Position auf. Auch sie sind mehrfach ungesättigt und lebensnotwendig, sollten aber in Massen genossen werden.
  • Omega-9-Fettsäuren: Hier sitzt die Bindung an der neunten Stelle. Da es sich meist um einfach ungesättigte Fette handelt, kann unser Körper sie oft sogar selbst herstellen.

Bio-Kühe fressen viel Grünfutter wie Gras und Heu. Sie bekommen nur Bio-Futter und kaum Kraftfutter – nach den Bio Suisse Richtlinien sind maximal fünf Prozent Kraftfutter erlaubt. Das wirkt sich sowohl auf Milch und Milchprodukte als auch auf das Fleisch aus: Bio-Milch ist reich an Omega-3-Fettsäuren und konjugierten Linolsäuren (CLA). CLA unterstützt Herz, Muskeln, Knochen und das Immunsystem.

Die Milch von Kühen, die mit Kraftfutter oder Mais gefüttert werden, liefern deutlich weniger dieser wertvollen Fettsäuren. Untersuchungen in der Schweiz, Deutschland und England zeigen: Biobetriebe produzieren Milch mit nachweisbar mehr Omega-3-Fettsäuren. Jede Tasse Biomilch ist also ein kleines Gesundheitsplus.

Essenzielle Fette sind unentbehrliche Bausteine

Nicht alle Fette sind für unseren Körper gleich dringend.

Die Unentbehrlichen (Essenzielle Fettsäuren): Mehrfach ungesättigte Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren sind lebensnotwendig. Unser Körper kann sie nicht von Grund auf selbst herstellen, sondern muss das Rohmaterial über verschiedenste Lebensmittel aufnehmen. Omega-3-Fettsäuren sind beispielsweise in Kaltwasserfisch wie Lachs, Makrele, Sardine oder Hering enthalten, aber auch in Walnüssen, Leinsamen, Kichererbsen, Chia oder Algen.

Die Entbehrlichen (Nicht-essenzielle Fettsäuren): Es gibt Fette, die der Körper bei Bedarf selbst bastelt. Dazu gehören vor allem einfach ungesättigte Fettsäuren wie Omega-9, die beispielsweise in Olivenöl oder Avocado vorkommen.

Kurz gesagt: Während unser Körper Omega-9 selbst herstellen kann, sind wir bei Omega-3 und 6 auf einen gut gefüllten Teller angewiesen.

Pflanzliche und tierische Quellen

Omega-3 ist nicht gleich Omega-3. In der Natur kommen diese Fettsäuren in unterschiedlichen Kettenlängen vor. Für unseren Körper macht das einen grossen Unterschied.

Der Rohstoff: ALA (kurzkettig)

Die Alpha-Linolensäure (ALA) steckt in heimischen Kraftpaketen wie Leinsamen, Walnüssen, Hanfsamen und den entsprechenden Ölen. Auch grünes Blattgemüse liefert ALA in kleinen Mengen. ALA ist gesund, aber der Körper muss sie erst mühsam umbauen, um sie für spezialisierte Aufgaben zu nutzen.

Die Fertigbausteine: EPA & DHA (langkettig)

Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) sind als Bausteine direkt einsatzbereit für Herz und Hirn. Man findet sie vor allem dort, wo es nass ist: in fettreichem Fisch (Lachs, Makrele, Sardine) oder in Algen. Letztere sind die ursprüngliche Quelle und machen Algenöl zu einer idealen pflanzlichen Alternative, die ohne Umwege vom Körper genutzt werden kann.

Die Umwandlung ist ein Nadelöhr

In der Umwandlung der unterschiedlichen Omega-3-Fettsäuren liegt die grösste Herausforderung: Unser Körper kann den Rohstoff ALA zwar in die fertigen Bausteine EPA und DHA umwandeln, aber er ist dabei leider ziemlich ineffizient.

Es ist wie auf einer Baustelle: Man kann aus Rohholz (ALA) zwar mühsam Fensterrahmen (DHA) zimmern, aber das kostet Zeit und braucht viel Material. Einfacher und schneller geht es, wenn man die fertigen Fensterrahmen einbaut. Da diese interne Produktion oft nur auf Sparflamme läuft, reichen eine Handvoll Nüsse häufig nicht aus, um den Bedarf an EPA und DHA zu decken. Wer seine Speicher effizient füllen will, sollte daher regelmässig auf direkte Quellen wie Fisch oder Algenöl setzen.

Fisch in einer Büchse
Foto: Leo Caharija, Pixabay

Welche Wirkung haben Omega-3-Fettsäuren?

Omega-3-Fettsäuren sind so etwas wie das Schmieröl des Körpers. Sie halten das System am Laufen, unterstützen das Immunsystem und können entzündliche Prozesse im Körper abfedern. Besonders gefragt sind Omega-3-Fettsäuren in Lebensphasen, in denen im Körper viel um- und aufgebaut wird: während Schwangerschaft, Stillzeit und im Kindesalter. 

Für Kinder sind die mehrfach ungesättigten Fettsäuren ein zentrales Baumaterial – vor allem für die Entwicklung von Gehirn und Netzhaut. Doch Omega-3-Fettsäuren sind für alle Altersgruppen und Lebensphasen relevant. 

Laut der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) leisten die beiden Fettsäuren EPA und DHA messbare Beiträge zu wichtigen Körperfunktionen. Dabei kommt es auch auf die Dosierung an:

  • Erhaltung der normalen Sehkraft (bei 250 mg DHA täglich)
  • Erhaltung der normalen Gehirnfunktion (ab 250 mg DHA täglich)
  • Erhaltung der normalen Herzfunktion (ab 250 mg EPA und DHA täglich)
  • Erhaltung eines normalen Triglyzeridspiegels im Blut (bei 2 g EPA und DHA täglich)
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DHA und die Augen

Die Netzhaut ist ein hochsensibles Empfangssystem. Omega-3-Fettsäuren sind Teil dieser Struktur. Ist der Tagesbedarf gedeckt, unterstützt das die Erhaltung normaler Sehkraft. Auch Alpha-Linolensäure spielt dabei eine Rolle, da sie im Körper als Vorstufe für EPA und DHA dient.

DHA und das Gehirn

Im Gehirn wirkt DHA dort, wo Informationen weitergegeben werden. Als Baustein von Nervenzellen und Zellmembranen ist es an der Signalübertragung beteiligt und unterstützt die Vernetzung von Nervenzellen. Besonders hohe Konzentrationen finden sich an den Schaltstellen des Denkens: in Synapsen, Mitochondrien und in der Grosshirnrinde. DHA und das Gehirn Im Gehirn wirkt DHA dort, wo Informationen weitergegeben werden. Als Baustein von Nervenzellen und Zellmembranen ist es an der Signalübertragung beteiligt und unterstützt die Vernetzung von Nervenzellen. Besonders hohe Konzentrationen finden sich an den Schaltstellen des Denkens: in Synapsen, Mitochondrien und in der Grosshirnrinde.

EPA, DHA und das Herz

EPA und DHA tragen dazu bei, dass das Herz im Takt bleibt. Sie unterstützen eine normale Herzfunktion und helfen, normale Triglyzeridwerte im Blut aufrechtzuerhalten. Ausgeglichene Blutfettwerte wirken Gefässablagerungen entgegen. Bereits eine tägliche Zufuhr von mindestens 250 mg EPA und DHA kann hierzu einen relevanten Beitrag leisten.

Chiapudding mit Müslitopping in einem Glas
Foto: Gerhardy, Pixabay

Das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend. Bestimmte Omega-6-Fettsäuren – etwa Arachidonsäure – fördern dagegen in der akuten Entzündungsphase Signalstoffe. Beides brauchen wir, am besten in einem ausgeglichenen Verhältnis.

Idealerweise beträgt das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 5:1. Allerdings sorgt die westliche Ernährung mit Mais- und Sonnenblumenöl sowie Fertigprodukten dafür, dass das Verhältnis stark in Richtung Omega-6-Fettsäuren kippt und gegen 15:1 bis 20:1 geht.

Bleibt das Gleichgewicht über längere Zeit gestört, können sich sogenannte stille Entzündungen einschleichen – unsichtbare Prozesse, die langfristig das Risiko für bestimmte Erkrankungen erhöhen.

Ein dauerhaftes Ungleichgewicht wird unter anderem mit folgenden Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht:

  • Rheumatoide Arthritis
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Typ-2-Diabetes
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
  • Alzheimer und andere neurodegenerative Erkrankungen

Doch Vorsicht: Lebensmittel mit hohem Omega-6-Gehalt sind nicht automatisch schlecht. Entscheidend ist die Balance auf dem Teller – Omega-6-reiche Zutaten bewusst einsetzen und mit Omega-3-reichen Lebensmitteln kombinieren.

Tipps für ein gesundes Verhältnis zwischen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren

Schon kleine Anpassungen im Alltag können helfen, das Verhältnis zwischen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren ins Gleichgewicht zu bringen und damit die Gesundheit zu fördern. Ein paar einfache Strategien:

Omega-3-reiche Lebensmittel integrieren: fetter Fisch, Leinsamen, Walnüsse oder Algenöl liefern die wichtigen Fettsäuren direkt auf den Teller.

Nüsse bewusst kombinieren: Wer Nüsse snackt, sollte sie idealerweise mit Omega-3-reichen Sorten wie Walnüssen mischen.

Hochwertige Öle verwenden: Hanf- oder Leinöl sind besonders für kalte Gerichte geeignet und bringen extra Omega-3.

Vielfalt statt Einseitigkeit: Unterschiedliche Fettquellen sorgen für Balance und Abwechslung.

Insbesondere für Veganer und Vegetarier: Regelmässig prüfen, wie viel Omega-3 in Form von Alpha-Linolensäure (ALA) in Lebensmitteln enthalten ist, um die Versorgung sicherzustellen.

Omega-3-Fettsäuren stellen eine unverzichtbare Säule der gesunden Ernährung dar. Sie schützen Herz, Gehirn und Augen, regulieren Entzündungen und sind insbesondere für Kinder und Schwangere von grösster Bedeutung. Sowohl pflanzliche als auch tierische Quellen leisten einen wertvollen Beitrag zur Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren.

Wer auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren achtet und die Empfehlungen zur täglichen Aufnahme berücksichtigt, legt den Grundstein für langfristiges Wohlbefinden und nachhaltige Gesundheitsprävention.