«Gutes Essen sollte uns mehr wert sein»

30.01.2026

Für Kochbuchautor Claudio Del Principe ist Zeit die wichtigste Zutat beim Kochen. Und für sich zu kochen ist ein Akt der Selbstfürsorge.

Claudio, welche Zutaten hast du immer zuhause?

Ich habe immer die heiligen drei Sättigungssäulen daheim: Pasta, Reis und Polenta. Das sind unkomplizierte, lang haltbare Lebensmittel, die nicht hochgradig industriell verarbeitet sind. Auch in guter Qualität kosten sie kein Vermögen und sie bilden die Basis für so genanntes «Comfort-Food» – ob mit Gemüse, Fleisch oder Fisch. Dazu kommen Hülsenfrüchte, weil sie vielseitig sind: kalt als Salat oder warm als Eintopf. Und ein clever gefülltes Gemüsefach.

Clever gefüllt?

Wurzelgemüse hält locker drei Wochen. Kartoffeln sogar ein bis zwei Monate, wenn sie kühl und dunkel gelagert werden. Frisches Blattgemüse kaufe ich ein- bis zweimal die Woche dazu.

Claudio Del Principe in blauem Hemd und gestreifter Schürze hält einen grossen Bund frisches Gemüse mit Karotten, Lauch und Blattgrün in den Armen.

Für welche Lebensmittel gibst du am liebsten Geld aus?

Für sehr gutes Olivenöl. Es ist erstaunlich, wie oft ich in Kursen gefragt werde, ob man zum Braten irgendein billiges Öl nehmen könne. Nein. In kalt gepresstem Olivenöl sind essenzielle Fettsäuren drin, die sind wichtig. Eine hochwertige Flasche kostet schnell mal 50 Franken pro Liter. Wenn man aber direkt beim Produzenten einen 5-Liter-Kanister bestellt, landet man bei 15 Franken pro Liter – und man weiss, wer dahintersteht.

Beste Zutaten geniessen

Was sollte uns Essen wert sein?

Gutes Essen müsste uns mehr wert sein. Viele überschätzen völlig, wie viel sie für Lebensmittel ausgeben. Junge Menschen glauben, dass sie 20 bis 30 Prozent für Essen ausgeben. Es sind 6,4 Prozent vom Haushaltseinkommen, so wenig wie noch nie. Für die Krankenkasse geben wir 9,4 Prozent aus – plus Fitnessstudio, Reisen und Netflix. Auch gutes Essen, Ruhe und Bewegung sind Gesundheitsvorsorge.

Was macht Essen überhaupt wertvoll?

Zeit, Achtsamkeit und Sorgfalt. Ist etwas handwerklich gut gemacht, hat jemand Sorgfalt investiert, kostet es mehr, aber es schmeckt auch besser. Das beginnt schon bei der Art, wie der Boden behandelt wird.

Wie wichtig ist es, mit wem wir essen?

Ich höre oft: Ich bin Single, warum sollte ich gross für mich kochen? Einfache Antwort: Weil du es dir wert sein solltest. Wir putzen unsere Zähne, gehen ins Fitnessstudio und tragen Cremes auf. Das ist Selbstfürsorge und für sich zu kochen, gehört dazu. Und für andere zu kochen ist ein Akt der Nächstenliebe.

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Claudio Del Principe ist Kochbuchautor und Kochkursleiter. In seinen Kursen vermittelt er, wie man Pasta und Sauerteig macht und wie man Gemüse vielfältig verarbeitet. Seine italienischen Wurzeln beeinflussen seine Gerichte, mit denen er Appetit machen will auf einfachen, handwerklich gut gemachten Genuss. delprincipe.ch