Das Projekt «Hazelburger» gewinnt Grand Prix Bio Suisse 2020

26. November 2020

Der Hazelburger ist ein feines Tätschli aus heimischen pflanzlichen Proteinquellen. «Knackige Haselnüsse, blutige Randen, schwarze Bohnen, edler Salbei», so werden die Zutaten auf der Website beschrieben. Vor einem Jahr hatte Leander Dalbert die Idee dazu. Nun wird der Hazelburger bereits mit dem Grand Prix Bio Suisse ausgezeichnet. An der virtuellen Delegiertenversammlung von Bio Suisse am 11. November 2020 fand die Preisverleihung statt.

Preisübergabe: Leander Dalbert und Alena Matzke mit Jurypräsidentin Madeleine Kaufmann (v.l.).
Leander Dalbert hat im August auf dem Biohof von Roger Gündel in Oberwil-Lieli AG die Lehre zum Landwirt begonnen. Der Auszubildende hat in Neuseeland Klimawissenschaften, Philosophie, Politik und Ökonomie studiert. Wegen seiner Frau, einer Zürcher Oberländerin, mit der er eine dreijährige Tochter hat, ist er in die Schweiz gezogen. Seine Begeisterung für eine nachhaltige Landwirtschaft ist gross. Ganz besonders interessieren ihn Bäume. Solche wachsen auf dem Reusshof in Niederwil AG, wo Leander Dalbert ebenfalls angestellt ist. Dort hat Betriebsleiter Andreas Gauch für tiefwurzelnde, veredelte Haselnussbäume in Agroforstwirtschaft ein geniales Anbausystem mit Spindelerziehung und hochhängenden Netzen. Für Hunderte Kilogramm der Haselnüsse hat Leander Dalbert ein Vertriebssystem aufgebaut: Verkauft werden sie in den Zero-Waste-Laden-Cafés Foifi und Zollfrei in Zürich.
Landwirt Andreas Gauch begutachtet seine Haselnussbäume auf dem Reusshof in Niederwil AG.

Aus den Haselnüssen wollte Dalbert aber noch mehr machen. Ihn treibt die Frage um: Wie können wir von einer vielfältigen, nachhaltigen Landwirtschaft leben? Die Antwort: Indem wir durch Kostenwahrheit und Nähe zum Konsumenten Ökosystemen ihren Wert wiedergeben und entsprechende Produkte anbieten. Zugleich will er familienfreundliche Arbeitsplätze schaffen. Das Ziel sind faire Produzentenpreise und bis zu 35 Franken Stundenlohn für die Angestellten in Küche und Logistik. Darum kostet ein 130 Gramm schwerer Hazelburger denn auch Fr. 7.50. Jurypräsidentin Madeleine Kaufmann strich in ihrer Lobrede heraus, dass das Prinzip der Kostenwahrheit positiv ins Gewicht gefallen sei, da es ein Schlüsselelement für ein nachhaltiges Ernährungssystem darstelle.
Lehrling Leander Dalbert (r.) und Landwirt Roger Gündel (M.) in der von Sabrina Volkart (l.) und den Menschen von Permaschmaus über Jahre entwickelte und gepflegte Permakulturfläche auf dem Birchhof in Oberwil-Lieli AG.
Die Idee des Hazelburgers trieb Dalbert seit gut einem Jahr im Rahmen des Vereins Boimig voran, wo er auf Johanna Rüegg, Wissenschaftlerin für Agroforstsysteme am FiBL in Frick AG traf. Im Rahmen der Vereinsarbeit entwickelten sie die Vision des «Essens von Bäumen – in einer resilienten Esskultur» und betrieben Marktforschung. Dann holte er Alena Matzke, die jahrelang an der Schnittstelle Gesundheits- und Ernährungssystem gearbeitet hat und die Weltgesundheitsorganisation WHO berät, mit ins Boot. Alena Matzke entwickelte das Rezept des Hazelburgers, der nun tiefgefroren oder frisch im Mehrwegglas erhältlich ist, aktuell bei Foifi und Zollfrei in Zürich sowie in den Hofläden von Andreas Gauch und Roger Gündel. Jury-Präsidentin Madeleine Kaufmann bezeichnet den Hazelburger «durch seine nachhaltige Herstellung und die schonende Verarbeitung der Zutaten als echte Alternative zu anderen Veggie-Burgern».
Der Hazelburger: aus Haselnüssen, Randen, schwarzen Bohnen und Salbei.
Finanziell läuft das Projekt über eine Einzelfirma von Leander Dalbert. Er ist mit eigenem Geld und mit Darlehen aus der Familie ins Risiko gegangen. Der mit 10 000 Franken dotierte Grand Prix Bio Suissekommt daher als Brückenfinanzierung genau im richtigen Moment. Leander Dalbert möchte nun zwei Teilzeitstellen schaffen und später mittels Crowdfunding eine grössere Produktionsstätte aufbauen. Die Registrierung des Markennamens Hazelburger und das Knospe-Lizenzierungsverfahren sind am Laufen.
Autor: Daniel Salzmann, Chefredaktor

«Schweizer Bauer»; Fotos: Maya Frommelt, Bio Suisse
Gekürzter Artikel aus «Schweizer Bauer», 14. November 2020

Das Siegerprojekt im Video:

Grand Prix Bio Suisse 2020

Dieses Jahr buhlten 22 Projekte um den Grand Prix Bio Suisse. Hinter Sieger Leander Dalbert teilen sich die Bündner Projekte Bergkartoffeln von Marcel Heinrich und Hoftötung von Georg Blunier Platz 2. Auf Platz 4 liegt das Projekt Naturtalente von Roland Lenz, Thurgau, und Bruno Martin, Kanton Bern, bei dem pilzwiderstandsfähige Rebsorten im Mittelpunkt stehen.

1. Platz: Hazelburger


www.hazelburger.ch

2. Platz: Bergkartoffeln und Hoftötung


www.bergkartoffeln.ch
www.hof-dusch.ch

4. Platz: Naturtalente (Piwi-Weine)


www.weingut-lenz.ch
www.biovin-martin.ch
www.stammerberg.ch
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