Einigung auf Anpassung der Richtpreise für Bio-Brotgetreide
Anlässlich der diesjährigen Richtpreisrunde haben die Akteure des Schweizer Bio- Brotgetreidemarktes beschlossen, die Richtpreise für Bio-Weizen und Bio-Dinkel um je CHF 1.50/dt zu senken und für Bio-Roggen und Bio-Hafer auf Vorjahresniveau zu belassen.
Die Verhandlung war geprägt von intensiven Diskussionen. Die Wichtigkeit einer Einigung auf einen Richtpreis wurde jedoch von allen Partnern entlang der Wertschöpfungskette betont. Für das Jahr 2026 liegt der Richtpreis für Bio-Weizen bei CHF 106.50/dt, für Bio-Dinkel bei CHF 110.50/dt, für Bio-Roggen bei CHF 95/dt und für Bio-Speisehafer bei CHF 87/dt.
Herausforderndes Marktumfeld
Langfristig ist Bio-Brotgetreide sehr gefragt. Dies wurde vergangenes Wochenende an den Bio- Ackerbautagen bestätigt. Die Ernte 2025 brachte erfreulich grosse Mengen Bio-Brotgetreide und einen hohen Inlandanteil beim Weizen von rund 77 Prozent. Nach der schlechten Ernte 2024, die aufgrund von zu wenig Schweizer Getreide teilweise sogar Sortimentsumstellungen zur Folge hatte, brachten die nun vollen Lager den Markt unter Druck und bedeuteten Mehrkosten für die Mühlen. Eine Konkurrenz für den Schweizer Knospe-Weizen bildet zudem günstiger EU-Bio-Weizen. Der Schweizer Mühlenmarkt steht insgesamt unter Druck. Die Knospe-Verarbeitungsmengen zeigen dementsprechend eine sinkende Tendenz.
Auch für Bio-Ackerbauproduzent:innen waren die Produktionskosten für Ernte 2026 auf einem hohen Niveau und die Einkommen sind durch die grossen Ertragsschwankungen von Jahr zu Jahr sehr variabel. Die beschlossenen Richtpreise sind deswegen als Kompromiss zu verstehen und bilden die genannten Herausforderungen entlang der Wertschöpfungskette ab.
Starke Inlandproduktion 2026
Gemäss ersten Prognosen werden die Verarbeitungsbetriebe im Jahr 2026 beim Weizen wiederum einen hohen Inlandanteil von etwa 73 Prozent des Gesamtbedarfs aus inländischer Produktion decken können. Beim Roggen wird dieser Anteil bei rund 70 Prozent und beim Dinkel bei etwa 58 Prozent liegen. Dabei geht die Branche, Stand heute, von einer durchschnittlichen Ernte aus. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob sich diese Prognose bewahrheiten, resp. die aktuelle Trockenheit zu Notreife-bedingten Ertragsdepressionen führen wird. Beim Speisehafer konnten die Anbauflächen 2026 gesteigert werden, nachdem die Nachfrage nach einem Sortimentsentscheid von Coop letztes Jahr wieder angezogen hat.
Fokus auf Qualität beim Weizen und Hafer
Der steigende Anteil von inländischem Weizen in der Vermahlung lässt weniger Spielraum, um je nach Jahr bestimmte Chargen mit schlechten Qualitäten mit gezielt qualitativ hochwertigem Importweizen aufzumischen. Dies bedeutet für die ganze Wertschöpfungskette, die Anstrengungen für eine gute Qualität der Schweizer Ware zu intensivieren.
Ein Schritt war die Überarbeitung des Proteinzahlungssystems auf die Ernte 2025. Dies hat bereits eine erste Wirkung gezeigt, indem Bio-Produzent:innen hinsichtlich einer qualitätsbetonten Produktion ihre Anbautechnik und Sortenwahl angepasst hatten. Damit lassen sich je nach Möglichkeiten der Betriebe auch höhere Zuschläge auf den Richtpreis generieren als im alten System. Beim Speisehafer werden die Übernahmebedingungen noch Gegenstand von Diskussionen sein, denn auch hier soll die Qualität im Sinne einer höheren Reinheit verbessert werden.
Weitere Informationen
Grundsätzlich muss die Anbauplanung immer in Absprache mit Abnehmern erfolgen. Die Übernahmebedingungen 2026 entsprechen den Bestimmungen von Bio Suisse und ergänzend denjenigen von swiss granum.
Die aktuellen Preise und Übernahmebedingungen sind abrufbar via www.bioaktuell.ch
Die Richtpreise für Knospe-Futtergetreide wurden bereits am 19. Mai 2026 festgelegt.