Bio knackt beim Marktanteil die 10 Prozent-Hürde

2019 erreichten Bio-Lebensmittel in der Schweiz erstmals einen Marktanteil von 10,3 Prozent. Im regionalen Vergleich hat die Westschweiz die Deutschschweiz überholt (10,5 zu 10,4 Prozent Marktanteil). Insgesamt produzieren 7’300 Betriebe in der Schweiz und Liechtenstein nach den Richtlinien der Knospe. Damit die Märkte auch langfristig im Gleichgewicht bleiben, ergreift Bio Suisse verschiedene Massnahmen.

«Bio wächst weiter», freut sich Bio Suisse Geschäftsführer Balz Strasser an der Jahresmedienkonferenz. «Auch 2019 konnten wir wieder in fast allen Bereichen und Landesteilen zulegen.» Mit einem Wachstum von 4,7 Prozent lag die Westschweiz vor der Deutschschweiz (3,1%) und erreichte damit erstmals einen höheren Marktanteil (10,5% im Vergleich zu 10,4%). Im Tessin ist der Umsatz um 1,3 Prozent gewachsen und der Marktanteil liegt neu bei 8,9 Prozent. In fünf Jahren hat der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln um 1 Milliarde von 2,2 auf 3,2 Milliarden Franken zugenommen.

Frischprodukte erreichen den höchsten Markanteil, allen voran Eier (28,7%), Brot (26,1%) und Gemüse (23,1%). Doch: «Die veränderten Ernährungsgewohnheiten hin zu mehr Convenience zeigen sich auch im Bio-Markt. Bei den verpackten Konsumgütern liegt der Marktanteil insgesamt zwar erst bei 7,4 Prozent, dafür ist in diesem Segment das Wachstum fast drei Mal so gross, wie bei den Frischprodukten», sagt Jürg Schenkel, Leiter Marketing bei Bio Suisse. Angetrieben werde diese Entwicklung von den neuen Kundenbedürfnissen, die mit einem stetig wachsenden Sortiment befriedigt werden.

Bio entspricht dem Zeitgeist


In einer repräsentativen Umfrage von Demoscope gab jede(r) Dritte Befragte an, Nachhaltigkeit habe eine sehr grosse Bedeutung für sie. Noch vor zwei Jahren war es noch jede(r) Sechste. Und diese Entwicklung wiederspiegelt sich auch im Kaufverhalten der Bevölkerung: Jede(r) vierte kauft mehrmals monatlich Bio-Lebensmittel und 57 Prozent sogar täglich oder mehrmals wöchentlich. Pro Kopf kaufte die Schweizer Bevölkerung im Jahr 2019 Bio-Lebensmittel im Wert von 377 Franken.

Auf einem Sechstel der Nutzfläche wird Bio-Landwirtschaft betrieben


Getragen wird diese positive Entwicklung von den Schweizer Bäuerinnen und Bauern. Auch letztes Jahr haben wieder viele von ihnen die Vorteile der Knospe erkannt und sind umgestiegen. Neu produzieren 7’300 Betriebe (+300) in der Schweiz und Liechtenstein nach den strengen Richtlinien von Bio Suisse. Sie bewirtschaften insgesamt 169'360 Hektaren Landwirtschaftsfläche (+8’750 ha) auf umfassend nachhaltige Art und Weise. Das entspricht einem Sechstel der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche. Im Berggebiet liegt der Anteil deutlich höher. Hier ist fast ein Viertel der Fläche Bio. Von der Anzahl Knospe-Betriebe bleiben Bern (1318, +57) und Graubünden (1255, +17) die Kantone mit den meisten Bio-Betrieben, vor Sankt Gallen (466, +15), Zürich (428, +22) und Luzern (420, + 28). Luzern verzeichnete gemeinsam mit dem Kanton Wallis (243, +28) prozentual den höchsten Zuwachs. Hier sind im letzten Jahr viele Winzer auf die Bio-Produktion umgestiegen. Im März entschied das Kantonsparlament, einen «Plan d’Action Bio» aufzugleisen. Das Wachstum von Bio im Wallis dürfte damit noch eine Weile anhalten.

Märkte im Gleichgewicht halten


Weil immer mehr Produzentinnen und Produzenten die Vorteile der Knospe für sich erkannt haben, überstieg im letzten Jahr die Produktion in einzelnen Marktsegmenten die Nachfrage. Milch, Schweinefleisch und teilweise der Getreidemarkt waren von dieser Entwicklung betroffen. Eine für Bio Suisse ungewöhnliche Situation. Dank enger Zusammenarbeit mit den Detailhändlern, gezielten Promotionen und Degustationen sowie einem solidarischen Handeln der Branchenorganisationen konnten die Lage gut gehandhabt werden. Aufgrund der aktuell aussergewöhnlich hohen Nachfrage nach Milch und vor allem Butter haben die Bio-Milchorganisationen unlängst sogar entschieden, die Wartelisten zum 1. Juni aufzuheben.

Um den Absatz von Bio-Produkten zu fördern, plant Bio Suisse im laufenden Jahr verschiedene Massnahmen. Immer mit dem Ziel, die Märkte stabil zu halten und den Produzentinnen und Produzenten ein sicheres Einkommen zu garantieren. Langfristig soll Bio auch in Kantinen und Restaurants erhältlich sein. «Bio soll sich weiter etablieren und zur Normalität werden», sagte Geschäftsführer Balz Strasse anlässlich der Jahresmedienkonferenz.

Politische Rahmenbedingungen für standortgerechte Lebensmittelproduktion


«Während der Corona-Pandemie erfuhr die ganze Schweizer Landwirtschaft grossen Respekt und viel Vertrauen von der Bevölkerung», sagte Urs Brändli, Präsident von Bio Suisse. Jetzt sei die Landwirtschaft und vor allem auch die Politik gefordert, dieses Vertrauen zurückzugeben. Die einheimische Lebensmittelproduktion sei wichtig. «Wirkliche Sicherheit bieten aber nur Lebensmittel, die ohne importierte Hilfsmittel wie chemisch-synthetische Dünger erzeugt werden.» Es brauche deshalb eine standortgerechte Produktion, zum Wohl von Mensch, Tier und Umwelt, führte Brändli weiter aus. Und er forderte die Politik auf, einen verbindlichen Absenkpfad zur Minimierung der Risiken aus dem Einsatz synthetischer Pestizide, zu beschliessen.

Medienkontakt:


David Herrmann, Verantwortlicher Medienstelle Bio Suisse
Tel. 061 204 66 46, david.notexisting@nodomain.comherrmann@bio-suisse.notexisting@nodomain.comch

6. Mai 2020
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