Fragen zum Import von Knospe-Produkten

Grundsätzlich gelten für die Knospe-Produktion im Ausland die gleichen oder gleichwertige Bestimmungen wie für die Schweizer Knospe-Produktion. Die Richtlinien von Bio Suisse unterscheiden sich in wesentlichen Punkten von den Mindestvorschriften in den jeweiligen Herkunftsländern, zum Beispiel von der EU-Bioverordnung. Speziell hervorzuheben sind die Gesamtbetrieblichkeit, die Schaffung von Flächen zur Förderung der Artenvielfalt oder strenge Limiten in der Düngungsintensität und beim Kupfereinsatz.

Für Kulturen, die es in der Schweiz nicht gibt und für Kleinbauernkooperativen gelten sinngemäss angepasste Richtlinien.

Auch im Ausland werden Knospe-Produkte auf dem Feld, in der Verarbeitung und im Handel durch unabhängige Kontrollorganisationen kontrolliert.

Folgende Gründe haben Bio Suisse dazu bewogen, als Dachorganisation der Schweizer Bio-Produzenten auch Bio-Produkte aus dem Ausland unter dem Knospe-Label zu vermarkten:

  • Der Biolandbau hat überall auf der Welt seine Berechtigung. Mit Importen fördern wir die Bio-Idee weltweit.
  • Die strengen Richtlinien der Bio Suisse sind weltweit richtungsweisend. Durch die internationale Ausrichtung erhält Bio Suisse auch mehr Gewicht in der Schweiz.
  • Importe ermöglichen Sortimentserweiterungen mit Produkten, die in der Schweiz nicht produziert werden können wie Kaffee, Kakao, Gewürze, Zitrusfrüchte.
  • Der Markt kann gleichmässig versorgt werden, Angebotsschwankungen lassen sich ausgleichen.
  • Der Absatz von Schweizer Produkten wird damit ebenfalls gefördert – zum Beispiel ein Mangojoghurt mit Importfrüchten.
  • Importe und Bio-Importe wird es immer geben. Die Schweiz hat bei Lebensmitteln einen Selbstversorgungsgrad von ca. 50 Prozent. Wenn Importe unter der Knospe laufen, können die Schweizer Biobäuerinnen und Biobauern mitbestimmen und haben Einfluss.
  • Die Transportdistanz ist für die Gesamtumweltbilanz weniger ausschlaggebend als die Zusammensetzung der Mahlzeit, insbesondere in Bezug auf tierische Produkte.
  • Die Knospe garantiert eine hohe Qualität im Anbau und in der Verarbeitung. Die Konsumenten können dadurch eine grosse Palette an qualitativen hochstehenden Bio-Produkten erwerben.
  • Die Knospe ist in erster Linie ein Qualitätslabel. Es gibt sie in zwei unterschiedlichen Ausführungen – mit und ohne Schweizer Kreuz. Durch die klare Deklaration ist für die Konsumenten ersichtlich, woher das Produkt oder die Zutaten kommen.

Grundsätzlich wird nur importiert, was Schweizer Biobäuerinnen und Biobauern nicht – zum Beispiel Kaffee – oder nicht in genügender Menge – zum Beispiel Getreide – produzieren. Der Import wird nur zugelassen, wenn die inländische Produktion nicht ausreicht, bzw. bereits vermarktet ist. Die Verarbeitung findet hauptsächlich in der Schweiz statt.

Frischprodukte aus Übersee sind nur in Ausnahmefällen – etwa bei Mango oder Bananen – zugelassen. Flugimporte sind aber generell ausgeschlossen. Auch im Winter stammt alles Knospe-Gemüse aus Europa oder Mittelmeeranrainerstaaten. Beim Import hat das nahe Ausland Priorität. Fleisch und Fleischerzeugnisse dürfen nicht importiert werden und Milchprodukte nur in wenigen Ausnahmefällen.

Die Knospe gibt es in drei Ausführungen: Schweizer Knospe-Produkte tragen die Knospe mit Schweizer Kreuz und der Bezeichnung «Bio Suisse». Knospe-Produkte mit über 10 Prozent ausländischer Rohstoffe tragen die Knospe mit der Bezeichnung «Bio» ohne Schweizer Kreuz. Produzenten, die auf Bio umgestellt haben, tragen in den ersten zwei Jahren die Knospe mit der Bezeichnung «Umstellung».

Hier erfahren Sie, was die drei Knospe-Label mit «Bio Suisse», «Bio» und «Umstellung» bedeuten:

Importe in die Schweiz werden immer stattfinden, da wir uns insgesamt nur zu etwa 50 Prozent selbst versorgen können. Erdbeeren haben in Spanien bereits im frühen Frühjahr Saison. Die Knospe ist in erster Linie ein Qualitäts- und nicht ein Herkunftslabel. Der Knospe-Anbau folgt im Ausland den ebenso strengen Knospe-Richtlinien. Die Vorteile des Bio-Anbaus haben in jedem Land ihre Berechtigung. Transporte heben diese nicht einfach auf. Bio Suisse setzt bei den Transporten jedoch klare Leitlinien: Flugtransporte sind verboten, Produkte aus dem nahen Ausland werden bevorzugt und es findet kein Import aus Übersee statt von Frischprodukten, die auch in der Schweiz wachsen können.

Im Übrigen verbraucht auch Schweizer Frühgemüse aus geheizten Treibhäusern beträchtliche Energieressourcen. Die Knospe-Erdbeerproduzenten haben diese Möglichkeit für eine möglichst frühe Ernte nicht. Also decken europäische Knospe-Produzenten im Frühling die Lücke. Wer sich saisongerecht mit inländischen Bio-Produkten ernähren möchte, kann dies aufgrund der Deklaration ungehindert tun.

Die sozialen Anforderungen müssen im In- und Ausland eingehalten werden. Die Kontrolle dieser Anforderungen wird schrittweise ausgebaut, da dies auch mit Schulungen und Mehraufwand bei der Kontrolle verbunden ist. Aktuell wird ein externes Sozialaudit bei Gemüse- und Obstbetrieben in Frankreich, Italien, Marokko, Peru, Portugal und Spanien, bei allen Bananenproduzenten und bei türkischen Haselnussproduzenten verlangt. Das heisst, eine unabhängige Kontrollorganisation aus dem sozialen Bereich überprüft zusätzlich zur Bio-Kontrolle die Anstellungs- und Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmenden. In den anderen Ländern müssen Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitenden eine Selbstdeklaration ausfüllen. Diese wird bei der jährlichen Bio-Kontrolle stichprobenweise überprüft. Zudem werden von Bio Suisse aus Kontrollbesuche durchgeführt, bei denen ebenfalls die Einhaltung der sozialen Anforderungen kontrolliert wird.

Die Bio Suisse Richtlinien müssen im In- und Ausland umgesetzt werden. Die Umsetzung wird in der jährlichen Bio-Kontrolle und bei zusätzlichen Kontrollbesuchen überprüft. Bezüglich ökologischer Nachhaltigkeit muss neben den allgemeinen Bio-Richtlinien folgendes eingehalten werden:

  • Schonung der Bodenfruchtbarkeit, Verhinderung von Erosion
  • Standortgerechte Bewirtschaftung
  • Keine Nutzung von nicht erneuerbaren Wasserressourcen; keine Verschwendung und Verschmutzung von Wasser
  • Keine Abholzung und Abbrennen von natürlichen Wäldern bzw. kein Knospe-Anbau auf solchen Flächen
  • Schonung und Pflege der Biodiversität (mindestens 7 Prozent der Fläche als ökologische Ausgleichsfläche)