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Tierhaltung & Fütterung


FRAGEN ZUR TIERHALTUNG UND FÜTTERUNG

WAS BEDEUTEN TIERFREUNDLICHE HALTUNG UND FÜTTERUNG?

Eine besonders artgerechte Haltung und Fütterung der Nutztiere ist dem Biolandbau ein grosses Anliegen.
Die Tiere haben in der Regel eine vielfältigere Umgebung mit Tageslicht und frischer Luft und mehr Platz als in konventioneller Tierhaltung. Vollspaltenböden sind im Biostall verboten. Der Stall ist eingestreut. Zu allen Jahreszeiten haben die Tiere Auslauf oder sind auf der Weide (mind. 13-mal pro Monat im Winter, im Sommer beinahe täglich). Durch die vorgeschriebene Gestaltung der Weide, des Auslaufs und des Stalls können sich die Tiere artgerecht bewegen, Sozialkontakte haben, fressen und sich beschäftigen. An Biotieren werden ausserdem weitaus weniger schmerzhafte Eingriffe, wie z.B. das Kürzen des Schnabels, vorgenommen und Masttieren wird mehr Zeit zum Wachsen gelassen.

Bio beginnt beim Futter: Die Fütterung mit bevorzugt betriebseigenem Biofutter garantiert eine gesunde und natürliche Tierernährung. So erhalten zum Beispiel die Wiederkäuer zu 90 % Raufutter (Gras, Heu, ganze Pflanzen), wie es ihrer artgemässen Ernährung entspricht, und nur maximal 10 % Kraftfutter.

STIMMT ES, DASS AUF KNOSPE-BETRIEBEN AUCH NICHTBIOLOGISCHE FUTTERMITTEL EINGESETZT WERDEN DÜRFEN?

Der Anteil an biologischen Futtermitteln muss bei Wiederkäuern 100%, bei Hühnern und Schweinen mindestens 95% betragen. Der Grund für die Zufütterung von maximal 5% nichtbiologischem Futter liegt darin, dass auch heute noch nicht genügend biologisch angebaute Futtermittel verfügbar sind. Bio Suisse strebt langfristig eine generelle 100-prozentige Biofütterung an.


DÜRFEN TIERE AUF DEM BIOHOF IM KRANKHEITSFALL MIT ANTIBIOTIKA BEHANDELT WERDEN?

Wenn ein Tier fieberhaft erkrankt und der Tierarzt eine Antibiotikabehandlung vorschreibt, können auch Biobauern diese durchführen. Viele Biobauern behandeln ihre Tiere aber komplementärmedizinisch z.B. mit homöopathischen Mitteln, wodurch manche Antibiotikabehandlung vermieden werden kann. Verboten sind hingegen die vorbeugende Einsatz von Antibiotika und die Verabreichung von Hormonen.


IST EMBRYOTRANSFER AUF EINEM KNOSPE-BETRIEB ERLAUBT?

Nein, dies wird als unzulässiger Einschnitt in die Zucht betrachtet und ist deshalb verboten. Die Besamung von Tieren ist möglich. Allerdings ist die Haltung von männlichen Tieren (z. B. Stieren) im Biolandbau weit verbreitet und gilt als Beitrag für ein gutes Herdenklima.

GIBT ES IMPORTFLEISCH MIT DER KNOSPE?

Nein, alle Fleischerzeugnisse stammen aus der Schweiz - auch wenn es manchmal an Edelstücken mangelt.


WARUM IST DAS BIOKALBFLEISCH ROT STATT ROSA?

Kalbfleisch wird dann so schön rosa, wenn die Nahrung des Kalbes wenig Eisen enthält. Das ist nur zu erreichen, wenn die Jungtiere nur Milch und Stroh und kein Raufutter bekommen, obschon das Tierschutzgesetz heute diese Art der Fütterung verbietet. Aufgrund des Eisenmangels bilden die Kälbchen zu wenig rote Blutkörperchen. Diese sind für die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff wichtig. Um zu vermeiden, dass die Kälbchen Raufutter fressen, dürfen sie auch nicht auf die Weide.

Der Fütterung von Knospe-Kälbern mit Heu, Gras und anderen Raufasern färbt das Fleisch der Kälber rot und erhöht die Produktionskosten von Biokalbfleisch. Trotzdem erleiden viele Knospe-Betriebe Einbussen beim Verkauf ihrer Kälber, da diverse Metzger rotes Kalbfleisch immer noch als minderwertig betrachten. Übrigens ist rotes Kalbfleisch sehr schmackhaft und zart.


WIE SIEHT DIE KÄLBERHALTUNG AUS? WARUM WERDEN DIE KÄLBER VON DER MUTTER GETRENNT?

Es ist in der Tat bei den meisten Milchviehbetrieben der Fall, dass Kälber von Milchkühen häufig schon am ersten Tag von der Mutter getrennt werden. In diesem Punkt unterscheiden sich Biobetriebe und Nicht-Biobetriebe kaum. Das Kalb wird mit anderen Kälbern zusammen gehalten und bekommt Muttermilch über einen Nuckeleimer. Derweil wird die Kuh von ihren Betreuern gemolken und so bekanntlich Milch als Nahrungsmittel gewonnen. Es gibt einige Betriebe, die ihre Jungtiere bei der Mutter lassen und die Mutterkühe dennoch melken. Dieses Haltungssystem ist aber sehr anspruchsvoll für die Tierhalter und daher noch nicht reif für die breite Praxis.


WAS IST MUTTERKUHHALTUNG?

Als Konsumentin haben Sie die Möglichkeit, Knospe-Fleisch zu wählen, das von Rindern aus Mutterkuhhaltung stammt. Die Kälber bleiben bis zehn Monate und bis unmittelbar vor der Schlachtung mit Ihren Müttern zusammen. Sie trinken Milch direkt von der Mutter, fressen aber auch Gras und Heu. Diese Kühe werden aber nicht gemolken und liefern deshalb nur Fleisch als Nahrungsmittel. Fleisch aus Mutterkuhhaltung macht heute einen Grossteil des Knospe-Rindfleisch-Angebots aus. Wenn Ihnen dieses Thema ein Anliegen ist, können Sie zum Beispiel Natura Beef Bio (bei Coop) wählen. Auch kleinere Biometzgereien führen Fleisch aus Mutterkuhhaltung. Auch Migros führt Bio Weide Beef, das von Kälbern oder Rindern mit Weidehaltung (im Winter regelmässiger Auslauf) stammt.


WARUM WIRD BIOFLEISCH HAUPTSÄCHLICH ABGEPACKT VERKAUFT?

Das Biofleisch ist abgepackt, damit es sicher nicht mit konventionellem Fleisch vertauscht wird (Warenflusstrennung). Der Konsum von Biofleisch ist zudem noch nicht so gross, dass sich ein zweiter Offenverkauf lohnen würde.


WARUM ERLAUBT BIO SUISSE DAS ENTHORNEN DER KÜHE?

Bio Suisse begrüsst die Haltung behornter Kühe. Das Horn ist wichtig für Sozialverhalten, Rangordnung und Körperpflege. Gleichzeitig sind wir uns bewusst, dass viele Biobäuerinnen und -bauern ihre Kälber enthornen lassen, um Verletzungen unter den Tieren und den betreuenden Menschen zu vermeiden. Für behornte Tiere sind grössere Ställe notwendig, die aus finanziellen oder räumlichen Gründen nicht auf jedem Betrieb umsetzbar sind. In der Frage "mit oder ohne" vertreten unsere Knospe-Bauern unterschiedliche Auffassungen, und in einem basisdemokratischen Verband wie Bio Suisse wäre es nur mit einer Mehrheit möglich, in dieser kontroversen Sachfrage Verbote einzuführen. In Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für Biologischen Landbau FiBL ist Bio Suisse aber bestrebt, den Anteil an behornten Kuhherden auf den Knospe-Betrieben zu erhöhen. Bezüglich Biomilchqualität ist mit naturwissenschaftlichen Methoden nicht nachgewiesen, dass die Hornentfernung einen Einfluss auf Geschmack oder Inhaltstoffe hat. Vielmehr sind die verschiedenen Verarbeitungsverfahren ausschlaggebend. Diesbezüglich gelten sehr strenge Vorschriften. So ist zum Beispiel die Hochpasteurisierung von Milch bei der Knospe tabu.


WERDEN BEI BIO SUISSE DIE MÄNNLICHEN KÜKEN DER LEGEHENNENRASSEN AUCH GETÖTET?

Derzeit werden auch bei der Knospe-Tierhaltung die männlichen Küken der Legehennen nach dem Schlüpfen meist getötet. Bio Suisse möchte bis Ende 2016 eine Lösung mit der Branche vereinbaren, damit in Zukunft keine Küken mehr getötet werden müssen .
Das Problem liegt in der Zucht: Bei den Hühnern wurden verschiedene Typen mit unterschiedlichem Ziel gezüchtet: Legehennen, die produktiv Eier legen, und Masthühner, die für die Fleischproduktion geeignet sind. Die Männchen der heutigen Legehennenrassen sind deshalb schlecht geeignet zum Mästen. Trotzdem gibt es verschiedene Knospe-Betriebe, die auch die männlichen Hühner mästen statt sie als Küken zu töten ("Bruderhahn"). Eine weitere Möglichkeit ist die Zucht von sogenannten Zweinutzungshühnern, bei denen die weiblichen Tiere für die Eierproduktion und die männlichen Hühner für die Fleischproduktion genutzt werden. Ausführliche Stellungnahme unter http://www.bio-suisse.ch/media/Ueberuns/UnsereMeinungzu/kkentten_unsere_meinung_d.pdf


GIBT ES SPEZIFISCHE VORSCHRIFTEN ZUR TÖTUNG VON BIOTIEREN?

Es gibt im Biosektor (sowohl nach staatlicher Bio-Verordnung wie auch nach Bio Suisse Richtlinien) keine spezifischen Regelungen zur Schlachtung. Daher ist es umso wichtiger, dass die gesetzlichen Anforderungen den tierschützerischen und veterinärmedizinischen Erfordernissen entsprechen. Knospe-Fleisch, das von den Grossverteilern angeboten wird, stammt in der Regel aus grossen Schlachthäusern. Es gibt aber auch Knospe-Landwirte, die ihre Tiere auf dem Hof töten oder sie in einem nahegelegenen Kleinschlachthaus schlachten lassen. Die Hofschlachtung, wie sie früher oft praktiziert wurde, ist aufgrund sehr strenger behördlicher Auflagen (v.a. hygienischer Art) heute selten geworden. Eine neue Möglichkeit, die noch in der Testphase steckt, ist die sogenannte Weideschlachtung.

Auf diesen Webseiten finden Sie mehr über das Thema Schlachtung.

Artikel über Schlachthausschlachtung und Weideschlachtung:
  • http://www.bioaktuell.ch/fileadmin/documents/ba/tierhaltung/rindvieh/bioweidemast/ba-d-2012-03-weideschlachtung.pdf
  • http://www.bioaktuell.ch/de/tierhaltung/rindvieh/weidemast/weideschlachtung.html

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