- Seit wann gibt es den Biolandbau in der Schweiz?
- Dürfen Lebensmittel als biologisch angepriesen werden, auch wenn das Lebensmittel nicht biologisch ist?
- Seit wann arbeiten Bio Suisse und Coop zusammen?
- Gelten für Importprodukte mit der Knospe die gleichen Bestimmungen wie für Inlandprodukte?
- Gibt es spezielle Tier- oder Pflanzengattungen, die im Biolandbau gerne eingesetzt werden?
- Arbeiten die Biobauern wirklich ohne "chemische Keule"?
- Wird denn im Biolandbau nie "gespritzt"?
- Was bedeutet "geschlossener (Nährstoff-)Kreislauf" im Biolandbau?
- Gibt es auch Biobetriebe in der Schweiz, die nur teilweise (teilbetrieblich) biologisch produzieren?
- Sind Biolebensmittel gesünder?
- Kann es trotzdem vorkommen, dass Biolebensmittel Rückstände aufweisen?
- Leiste ich mit dem Kauf von Knospe-Lebensmitteln einen Beitrag zum Umweltschutz?
- Was bringt es, regionale Bioprodukte zu vertreiben?
- Wer verkauft regionale Biospezialitäten?
- Leistet Bio Suisse einen Beitrag zur Erhaltung von Lebens- und Arbeitsplätzen in Randregionen?
- Wie "schweizerisch" ist Bio Suisse?
ALLGEMEINE FRAGEN
SEIT WANN GIBT ES DEN BIOLANDBAU IN DER SCHWEIZ?
In den 40er Jahren entwickelte Dr. H. Müller den organisch-biologischen Anbau und verankerte den Gedanken der nachhaltigen Wirtschaftsweise mit geschlossenen Kreisläufen. 1974 wurde das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) ins Leben gerufen, das die Beobachtungen der Pioniere des biologischen Landbaus wissenschaftlich zu untermauern suchte. Die moderne Zeit des biologischen Landbaus wurde 1981 durch die Gründung von Bio Suisse eingeläutet. Die ersten gemeinsamen Anbaurichtlinien wurden 1981 verabschiedet und gleichzeitig wurde die Schutzmarke für den kontrollierten biologischen Anbau, die Knospe, geschaffen. Der Schweizer Biomarkt und die Organisation Bio Suisse haben sich in den letzten Jahren stark entwickelt. Heute sind rund 5'800 Schweizer Biobetriebe Knospe-zertifiziert. Eine repräsentative Befragung des Marktforschungsinstitutes IHA belegt: 2004 kennen rund 70% der Schweizerinnen und Schweizer das Knospe-Label.DÜRFEN LEBENSMITTEL ALS BIOLOGISCH ANGEPRIESEN WERDEN, AUCH WENN DAS LEBENSMITTEL NICHT BIOLOGISCH IST?
Nein. Die Schweizerische Bio-Verordnung vom 22.9.1997 schützt in Artikel 1 die Kennzeichnung biologischer Erzeugnisse. Die Bezeichnungen "biologisch" oder "ökologisch" dürfen nur verwendet werden, wenn die Einhaltung der Bioanforderungen bei der Produktion, der Aufbereitung und der Einfuhr kontrolliert und zertifiziert wurde.SEIT WANN ARBEITEN BIO SUISSE UND COOP ZUSAMMEN?
Seit dem Jahr 1993. Seit 2004 unterstützt Coop zudem im Rahmen der Fondsgelder aus dem Naturaplan-Fonds das Projekt planète bio suisse als Hauptsponsor.GELTEN FÜR IMPORTPRODUKTE MIT DER KNOSPE DIE GLEICHEN BESTIMMUNGEN WIE FÜR INLANDPRODUKTE?
Wenn die Bio Suisse Importprodukte mit der Knospe auszeichnet, erfüllen sie die gleichwertigen Bestimmungen, wie wir sie hier anwenden. Dies ist für eine Produzentenorganisation sehr wichtig.So gelten etwa für Bauern im Ausland dieselben Auflagen etwa bezüglich Gesamtbetrieblichkeit oder Heizens im Gewächshaus wie im Inland.
Zitrussäfte, die ja naturgemäss alle importiert sind, werden mit dem Knospe-Label ausschliesslich, wie inländische Obstsäfte auch, als Direktsaft angeboten.
Frischprodukte aus Übersee sind nur in Ausnahmefällen zugelassen (etwa Mango oder Bananen). Das Gemüse stammt denn auch im Winter aus Europa. Flugimporte sind generell ausgeschlossen.
Natürlich! Knospe-Produkte werden auf dem Feld, in der Verarbeitung und im Handel durch unabhängige Kontrollorganisationen, z.B. die bio.inspecta AG, kontrolliert.

GIBT ES SPEZIELLE TIER- ODER PFLANZENGATTUNGEN DIE IM BIO LANDBAU GERNE EINGESETZT WERDEN?
Bioproduzenten bevorzugen Tiere und Pflanzen mit einer besonders robusten Konstitution. Im Kernobstanbau werden etwa Sorten bevorzugt, die gegen Krankheiten und Schädlinge weitgehend resistent sind. So tauchen z.B. immer häufiger Äpfel mit den Namen, Florina, Topaz oder Retina in den Verkaufsregalen auf. Sie zeichnen sich durch einen guten Geschmack und eine gute Resistenz aus. Bei der Wahl der Nutztiere, z.B. Kühe, wird auf Hochleistungstiere, die als anfällig gelten, konsequent verzichtet. Die Milchleistung einer Bio-Kuh ist denn auch im Durchschnitt deutlich tiefer.ARBEITEN DIE BIOBAUERN WIRKLICH OHNE "CHEMISCHE KEULE"?
Ja, die Bio Suisse Richtlinien verlangen einen vollständigen Verzicht auf chemisch-synthetische Düngemittel oder Pflanzenschutzmittel.WIRD DENN IM BIOLANDBAU NIE "GESPRITZT"?
Doch, Behandlungen gemäss Hilfsstoffliste (FiBL) sind zulässig. So werden Quassiaextrakt (Bitterholz) oder Kali- oder Kokosseifenbrühen gegen Wespen, Blattläuse und Spinnmilben eingesetzt. Im Obstbau wird z. B. bei Schorfbefall Tonerde eingesetzt. In jedem Fall versucht der Biobetrieb auch diese Behandlungen durch geschickte Sortenwahl und Standortoptimierung zu vermeiden.WAS BEDEUTET GESCHLOSSENER (NÄHRSTOFF-)KREISLAUF IM BIOLANDBAU?
Das Futter für die Nutztiere stammt hauptsächlich vom eigenen Betrieb. Für die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit werden hauptsächlich Hofdünger wie Gülle, Mist oder Kompost eingesetzt. Dies und eine geschickte Wahl des Fruchtwechsels sorgen für eine aktive Bodenfauna (lebendige Böden mit vielen Bodenlebewesen) mit einer ausgeglichenen Nährstoffbilanz für die pflanzliche Produktion. Auf die Zufuhr von chemisch-synthetischen Düngemitteln oder Pflanzenschutzmitteln wird komplett verzichtet.GIBT ES AUCH BIOBETRIEBE IN DER SCHWEIZ, DIE NUR TEILWEISE (TEILBETRIEBLICH) BIOLOGISCH PRODUZIEREN?
Nein, in der Schweiz ist im Unterschied zum EU-Raum nur der gesamtbetrieblich geführte Biobetrieb möglich. Bio Suisse wehrt sich standhaft gegen die teilbetriebliche Bioproduktion. Nur so kann der Kreislaufgedanke konsequent umgesetzt und die Glaubwürdigkeit des Knospe-Labels hochgehalten werden - hier gilt alles oder nichts.SIND BIOLEBENSMITTEL GESÜNDER?
Grundsätzlich kann man sich auch mit Biolebensmitteln falsch oder ungesund (zu fettreich, zu süss, zu üppig) ernähren. So zeigen jedoch auch wissenschaftliche Versuche des FiBL (Forschungsinstitut für biologischen Landbau), dass z. B. Bioäpfel mehr Vitalstoffe als herkömmlich produzierte Äpfel aufweisen. (Phenole, welche als natürliche Abwehrstoffe gegen freie Radikale gelten). Aufgrund der schonenden Produktionsweise, dem völligen Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel, nehmen Bio-Konsumenten weniger Rückstände über die Nahrung auf. Zudem werden Lebensmittel mit der Knospe besonders schonend und mit weitgehendem Verzicht auf Zusatzstoffe verarbeitet.In einer Studie der Soil Association wurden in über 50 % der getesteten Bioprodukte mehr Trockensubstanz, niedrigere Nitrat-, dafür meist höhere Zucker- und Vitamin C-Gehalte festgestellt. Dies wird mit dem Anwendungsverbot von leicht löslichen mineralischen Düngern in Verbindung gebracht und ist vermutlich auf eine bedarfsgerechte organische Ernährung des Bodens und seiner Lebewesen zurückzuführen. Es gibt auch Hinweise, dass Herbizide den Vitamin C-Gehalt negativ beeinflussen (ABSTRACT: LAANISTE ET AL. 1999). Siehe auch: DIE QUALITÄT BIOLOGISCH ERZEUGTER LEBENSMITTEL.
KANN ES TROTZDEM VORKOMMEN, DASS BIOLEBENSMITTEL RÜCKSTÄNDE AUFWEISEN?
Biolebensmittel können mit Pestizidrückständen belastet sein, allerdings weisen biologisch produzierte Lebensmitteln deutlich geringere Belastungen auf (BAKER ET AL. 2002B). Die Gründe, warum Biolebensmittel trotz des Anwendungsverbotes dennoch Pestizidrückstände in Kleinstmengen aufweisen können, liegen in der Pestizidabdrift, der allgemeinen Pestizidbelastung der Atmosphäre, Pestizidrückständen im Boden oder belasteten Transport- und Lagergebinden. Durch eine permanente Verbesserung der Qualitätssicherungssysteme versuchen Bio Suisse und das FiBL auch Ursachen von Kleinstbelastungen an den Wurzeln zu packen bzw. zu vermeiden. Trotzdem Bio ist keine Insel!LEISTE ICH MIT DEM KAUF VON KNOSPE-LEBENSMITTELN EINEN BEITRAG ZUM UMWELTSCHUTZ?
Ja, die Bio Suisse Produzenten verzichten auf chemisch-synthetische Dünge- oder Pflanzenschutzmittel und sorgen mit dem Kreislaufprinzip für nachhaltig gesunde Böden mit einer erhöhten Artenvielfalt. Von diesem System profitieren auch Flüsse und Seen. Die Ökoausgleichsflächen (mind. 7 %) bieten Lebensraum für Bodenlebewesen, Insekten, Vögel und Säugetiere.
WAS BRINGT ES, REGIONALE BIOPRODUKTE ZU VERTREIBEN?
Arbeitsplätze bleiben in der Region, althergebrachte Verarbeitungstechniken, regionales Know-how und besondere regionale Spezialitäten bleiben erhalten.WER VERKAUFT REGIONALE BIO-SPEZIALITÄTEN?
Coop, Direktvermarkter, Spezialgeschäfte in der Region.LEISTET BIO SUISSE EINEN BEITRAG ZUR ERHALTUNG VON LEBENS- UND ARBEITSPLÄTZEN IN RANDREGIONEN?
Ja, 70% der biologisch bewirtschafteten Fläche liegt in den Bergregionen der Schweiz.Die schweizerische Landwirtschaft hat vor allem Überlebenschancen, so anerkannte Experten, wenn sie sich auf die Produktion von Premium Produkten und Spezialitäten konzentriert - und Knospe-Produkte sind in jeder Hinsicht hochwertig!
